Archiv der Kategorie 'Gelebte Feminismuskritik'

Geschärfte Sexismusbegriffe

Es geht um folgendes:

Also. Irgendeine alternative Teenagerband spielt vor Teenagern und wundert sich darüber, dass die sich so benehmen. Was schon widersprüchlich ist. Bis zu den „Ausziehen!“-Rufen war dieses Verhalten, vom exzessiven Mitjohlen der Texte nach Vorgabe der Autoritäten auf der Bühne über das kollektiven Rumgehüpfe bis zur Selbststilisierung als FAN usw. völlig in Ordnung. Das dient nämlich dem Zweck, eine erfolgreiche Band zu sein, sehr.

Nun kommen dieselben Personen, bzw. wohl mehr Männer, auf die Idee, einer auf die Bühne steigende Frau aufzufordern, sich zu entkleiden. Die macht das auch und genießt es sichtbar. Zu dem bisherigen kollektiven Selbstdarstellen kommt noch der gemeinsam geäußerte Wunsch nach nackter Haut hinzu. Das ist gar keine geschlechtspezifische Angelegenheit. Noch jeder JungesellINNENabschied endet darin.

Die Band schließt daraus: Sexismus. Und hört auf zu spielen.

Es mag sein, bzw. ist es mit Sicherheit so, dass 99 % der Anwesenden die Urteile über die Geschlechter kennen und praktizieren. Bloß: Das ist diesem Verhalten nicht zu entnehmen.

In der Blogsport-Sphäre merkt man dann auch die begriffliche Unsicherheit den Begriff des Sexismus betreffend. Während die wieder mitjohlende Masse in den Kommentaren über „Cool“, „Richtig“, „Super Aktion“ nicht hinauskommt, versuchen sich Theoretiker des Sexismus auch an einer Definition und versagen kläglich.

Beispiel: schokolade

es war eine sexistisxche situation und als antisexist_in lehnt man solche situationen ab. punkt. sexismus heißt nicht unbedingt, dass es der frau schlecht dabei geht, sondern nur dass es vl einer anderen frau in der selben situation blöd gehen könnte (!!!) und das publikum sich deshalb nicht sterotyp „frau => ‚ausziehen‘-brüllen“ verhalten sollte.

Die Ausrufezeichen waren von mir. Die schoki bemüht sich gar nicht mehr, auszuführen, wo in der Situation der Sexismus liegt, sondern stellt nur noch auf einen konstruierten Opferstandpunkt ab, wobei ein Opfer bzw. Schaden gar nicht mal vorhanden sein muss. Anders herum: Wenn eine Frau einen Schnupfen hat, dürfte die Krankheit wohl auch sexistischer Natur sein. Ernsthaft mal: Sexismus ist hier lediglich ein irgendwie gearteter, möglicher (!), Schaden einer Person im gesellschaftlichen Miteinander, wobei der Nachweis, ob ein Schaden WEGEN des Geschlechts vorliegt, gar nicht mehr nachgewiesen sein muss.

Musik-Soziologe Scheckkartenpunk und sein Kumpel Torsun betätigen sich als Abstraktionskünstler:

ich zitiere mal den schecki:
„Sexismus fängt da an wo die Objektivierung anfängt und das Subjekt verschwindet.“

Das passiert zwar in jedem (einvernehmlichen) Geschlechtsverkehr, denn schließlich ist sich da jeder Objekt der eigenen Befriedigung, will sagen: Objektivierung ist gar kein Problem und schon gar nicht ein sexistisches. Aber vielleicht sind Torsun und „schecki“ wirklich so altruistisch und denken bei jedem Kontakt zu den Objekten, huch, äh Subjekten ihrer Begierde, nur an deren Interessen und nie an sich. Das muss Bombensex für die anderen sein, nur eine Erörterung von Sexismus gibt diese wilde Abstraktion schlicht nicht her. Da würde sogar noch jedes freundliche Gespräch, wo man sich wechselseitig Objekt des Zuhörens ist, hinunterfallen.

Objektivieren ist wohl nicht der Begriff des Sexismus, sondern der spezifische Inhalt des Objektivierens, wenn man mal bei dem Begriff bleibt.

Genosse_in TaP_in!

Bitte überdenke deine Äußerungen nochmal und revidiere sie notfalls:

Genau, das hatte ich ja schon in meinem ersten Kommentar versucht zu erklären: Bei dem Konzept Definitionsmacht geht es nicht um Schuld und Bestrafung, sondern um Schutz für die Betroffenen.
Genau deshalb können aber auch Beweisanforderungen heruntergeschraubt und letztlich sogar Vorsatzfragen hintenangestellt werden.
Es geht nicht darum, Leute für nachgewiesene, vorsätzliche usw. Taten zu bestrafen; es geht bei Definitionsmacht im Szene-Sinne darum, eine Person, der es schlecht geht, zu unterstützen.
Es geht nicht darum, für vergangenes Tun zu bestrafen, sondern weiteren Schäden vorzubeugen.

Auch wenn das Thema sowieso nur mit Samthandschuhen_innen anfassbar ist, weil die feministische und linke Szene am Durchdrehen ist, wenn man „Definitionsmacht“ auch nur in kritischer Absicht anspricht, so kann ich mir nicht verkneifen, ein bis zwei Überlegungen über dein wie immer ausführliches Geschwafel zu verlieren:

Du musst mir mal erklären (Achtung: nur rhetorischer Einstieg), wie jemand oder viele geschützt wird/werden, wenn nach einer Vergewaltigung dem Opfer prinzipiell Glauben geschenkt wird. Die gelaufene Vergewaltigung ist damit nicht einfach weg und „weitere Schäden“ sind damit nicht notwendig ausgeschlossen. Wie auch: Dann weiß halt jeder, dass Person X eine Vergewaltigungsperson_in ist. Und jetzt?

Von wegen: Keine Strafe! Der ganze Gedanke der Definitionsmacht ist ohne Strafe bzw. deren Androhung völlig wirkungslos, einen Betroffenenschutz zu organisieren.

Vielleicht könnte es zuträglicher sein, sich weniger Gedanken über das Funktionieren von Vergewaltigungen (Willensbeugung ja/nein, rechtshistorische Herleitung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts usw.) zu machen und mehr über den Inhalt des Vergewaltigergedankens statt sich einmal mehr als alternativer Richter_in und Henker_in aufzuspielen? Denn wer sich über das Funktionieren von Vergewaltigungen seine Gedanken macht, mag zu dem Ergebnis kommen, das Funktionieren zu verbieten, aber nicht den Grund dafür aus der Welt zu schaffen.

Nein, dieser Beitrag ist keiner zum Täterschutz (glaubt einem aber sowieso wieder keiner).

Freundliche Grüße von Genosse_in „Georgia“ Granit_in